Da ist der Wurm drin

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- schützen sie ihr Pferd vor lästigen Mitbewohnern

Pferde sind Herdentiere. Sie brauchen den Kontakt zu Artgenossen und verkümmern, wenn sie alleine gehalten werden. Immer öfter werden Pferde aber von einer penetranten Gesellschaft belagert, auf deren Anwesenheit sie gerne verzichten würden. Ungebetene Gäste, die sich auch trotz nachdrücklicher Aufforderung nicht vertreiben lassen: Parasiten.

Studien zeigen, dass siebzig Prozent der Pferde ungewollt ein Heim für Würmer darstellen. Meist sind sogar verschiedene Parasitenarten anzutreffen. Als würde es nicht genügen, im Pferd eine großzügig bemessene Behausung zu finden, handelt sich der Wirt als Dank für die Gastfreundschaft oft gesundheitliche Störungen bis hin zu schweren Organschäden ein. Anzeichen für eine parasitäre Belastung können sein: Abmagern, struppiges Fell, Durchfall, Koliken und allgemeiner Leistungsabfall.

„Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können“

Beim Pferd ist im Wesentlichen mit drei Parasitengruppen zu rechnen. Sie teilen sich auf in die Rund- und Bandwürmer sowie die Magendasseln.

Die Familie der Rundwürmer

Hierzu gehört der Palisadenwurm oder auch Blutwurm genannt, wobei in große und kleine Strongyliden unterschieden wird. Dieser bei allen Weidepferden auftretende Parasit produziert im Dickdarm des Pferdes Eier, die über den Kot ausgeschieden werden. Aus diesen Eiern schlüpfen wiederum Larven, die sich, nach einigen Entwicklungsstadien, gezielt am Weideaufwuchs kriechend empor auf die Gräserspitzen bewegen, um dort auf ihr neues Zuhause, das Pferd, zu warten. Von diesem aufgenommen werden sie sich innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen zum Wurm entwickeln. Auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden verharren sie aber nicht an einem Ort, sondern beginnen eine verheerende Wanderung durch die inneren Organe des Pferdes. Die Fraßschäden verursachen innere Blutungen und Fieber. Ausgewachsene Palisadenwürmer verursachen Symptome wie Appetitverlust, Abmagerung, Blutarmut, Durchfall und Schwäche. Die Eier und Larven der Strongyliden können im Heu überleben und halten auch einem kalten Winter stand. Zu Beginn einer neuen Weidesaison warten die verkapselten Stadien demzufolge schon im Boden auf eine möglichst feucht-warme Witterung und viele suchende Pferdemäuler.

Der Riese unter den Parasiten

Der Spulwurm (Askarid), ebenfalls der Gruppe der Rundwürmer angehörend, ist der größte beim Pferd vorkommende Parasit. Erwachsene Würmer können die stattliche Länge von 15 bis 50 Zentimetern erreichen. Die Eiablage erfolgt im Dünndarm. Die geschlüpften Larven wandern von dort in die Lunge und können durch Husten in den Magen des Pferdes gelangen. Gefährlich wird dieser Kandidat vor allem Fohlen und Jährlingen. Es besteht neben den Schäden an der Lunge die Gefahr von so genannten Wurmknäueln, die zum Darmverschluss, im schlimmsten Fall zum Darmriss führen können.

Die größte Gefahr besteht für die Kleinsten

Gegen den acht bis neun Millimeter langen, dünnen Zwergfadenwurm (ebenfalls ein Rundwurm) sind ausgewachsene Pferde resistent. Betroffen sind vor allem Saugfohlen mit einem noch unreifen Immunsystem. Den Hauptinfektionsweg bildet die Stutenmilch! Eine Entwurmung der hochtragenden Stute ungefähr zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ist deshalb notwendig. Hier sollte beim Tierarzt nach einer entsprechend verträglichen Wurmpaste gefragt werden. Das tückische bei dieser Wurmart ist seine Möglichkeit, lange Zeit nicht parasitisch im Erdboden und auch in der Einstreu zu überleben. Fohlen können sich daher in den ersten Lebenswochen leicht infizieren, wenn sie neugierig beleckend ihre Umgebung erkunden. Eine Entwurmung nach der zweiten und vierten Lebenswoche ist deshalb dringend vorzunehmen. Bis zu einem Alter von achtzehn Monaten wird eine regelmäßige Entwurmung alle sechs bis acht Wochen empfohlen. Unverträglichkeiten muss man mittlerweile bei den modernen Parasiten-Pasten kaum mehr befürchten. Eine massive Verwurmung stellt da die weitaus größere Gefahr fürs Fohlen dar.

Die zweifelhafte Unterstützung der Moosmilbe

Die zweite Parasitengruppe ist entgegen landläufiger Meinung häufiger vertreten als bisher angenommen. Fast jedes dritte Pferd ist Studien zufolge vom Bandwurm befallen. Die Infektionskette besteht hier aber nicht nur aus Pferd und Wurm. Die Moosmilbe fungiert als Zwischenwirt, in dem sie durch das Anfressen von Bandwurmeiern das entsprechende Wurmzwischenstadium aufnimmt. Frisst das Pferd nun mit Moosmilben angereichertes Weidegras, landet die Wurmvorstufe auf diesem Weg im Pferdedarm, woraus sich nun der Bandwurm entwickelt. Gegen Ende der Weidesaison ist mit der höchsten Infektionsgefahr zu rechnen, da sich die Moosmilben im Verlauf der Weidesaison stetig vermehren. Das Nachweisen des Befalls gestaltet sich über die Kotprobe als sehr schwierig. Hier kommt es schnell zu einer falsch-negativen Diagnose, da nur phasenweise Eier abgegeben werden, die dann im Kot nachweisbar wären. Auf der sicheren Seite ist man deshalb dann, wenn am besten zweimal jährlich, am sinnvollsten zu Beginn und Ende der Weidesaison, eine Wurmpaste eingesetzt wird, die neben den anderen Parasiten auch die Bandwürmer abtötet.

Das Pferd als Kinderstube für die Dasselfliege

Zu der dritten Gruppe der Parasiten gehört kein Wurm sondern ein Insekt: die Magen-Dassel. Die Eier der Dasselfliege werden im Juli und August an Vorderbeinen, Schultern, Mähne und Maulbereich des Pferdes abgelegt bzw. geklebt. Wer mal versucht hat, die ablegten Eier mit Bürsten oder dergleichen zu entfernen, weiß, mit welcher Sorgfalt die Dasselfliege bei der Eiablage vorgeht. Durch Belecken und Kratzen nehmen die Pferde die geschlüpften Larven auf, die sich dann mit kleinen Haken in der Magenschleimhaut verankern. Die Dasselfliege schafft so eine komfortable Möglichkeit der Überwinterung für ihre Zöglinge, denn erst im folgenden Frühjahr werden sie mit dem Kot wieder ausgeschieden. Im Freien angekommen, verpuppen sich die Larven, woraus nach einigen Wochen dann die nächste Generation der Dasselfliege schlüpft.


Stall- und Weidehygiene contra Parasiten-Paradies

Die Ahnen unserer Hauspferde mussten sich um Geilstellen und Parasiten aufgrund eines größeren Platzangebotes nicht kümmern und konnten abgegraste und verunreinigte Weidegründe einfach hinter sich lassen. Heute müssen sich meist zu viele Pferde zu kleine Weiden teilen, was neben einer nicht ausreichenden oder minderwertigen Futtergrundlage einen enormen Parasitendruck mit sich bringt. Um das lästige und vor allem regelmäßige Absammeln der Pferdeäppel kommt man deshalb nicht herum, will man nicht ein Parasiten-Paradies schaffen. Gerade nach dem Entwurmen, was immer gleichzeitig beim gesamten Bestand vorgenommen werden sollte, ist zwei bis fünf Tage danach mit einer vermehrten Parasitenausscheidung zu rechnen. Ein gründliches und vor allem vollständiges Absammeln bzw. Entmisten ist dann besonders wichtig. Die „Nachmahd“ einer von Pferden abgefressenen Weide durch Rinder kann den Infektionsdruck zusätzlich senken, da die Wiederkäuer eine Vielzahl dieser Wurmeier aufnehmen, ohne dass es für sie selber zum Nachteil ist.

Hygiene hat Priorität

Doch wie oft rückt man jetzt den Parasiten zu Leibe? Jeder Bestand braucht ein an die Gegebenheiten angepasstes Management. An ein paar Grundregeln sollte man sich jedoch halten. Je mehr Weidegang die Pferde haben und je größer die Fluktuation im Bestand ist, desto öfter muss entwurmt werden. Werden die Flächen nicht gewechselt und gibt es ein häufiges Kommen und Gehen von Pferden, kann eine viermalige Entwurmung pro Jahr notwendig werden. Wird jedoch penibel auf Stall- und Weidehygiene geachtet bei kleinen, nicht wechselnden Pferdegruppen, kann in der Regel die Häufigkeit reduziert werden.

Muss an mögliche Resistenzen gedacht werden?

Einige Experten raten, um die Bildung von Resistenzen zu vermeiden bzw. hinauszuzögern, regelmäßig die Wirkstoffe zu wechseln. Andere argumentieren, dass gerade bei den Mitteln gegen die Rundwürmer mittlerweile nur noch wenige Mittel zuverlässig wirken, so dass ein häufiges Wechseln kaum möglich ist. Fakt ist, dass es derzeit nur vier Wirkstoffgruppen für Pferde auf dem Markt gibt, mit wenig Aussicht auf Neuentwicklungen. Es bleibt die Vorgehensweise nach dem Rotationsprinzip, in dem die noch verbliebenen, wirksamen Wirkstoffgruppen jährlich gewechselt werden. Doch es häufen sich Berichte aus der Praxis, wo Pferde, trotz regelmäßiger Entwurmung, an mitunter hochgradigen Verwurmungen litten. Die Möglichkeit der Resistenzbildung sollte als große Unbekannte also nicht außer Acht gelassen werden.

Pferde sind oft schwerer als man denkt

Damit die ausgewählte Wurmkur ihre Wirksamkeit voll entfalten kann, sollte das Pferdegewicht unbedingt realistisch eingeschätzt bzw. gewogen werden. Denn wird die Wurmkur zu knapp bemessen oder die Hälfte des Tubeninhaltes landet auf dem Jackenärmel oder Boden, ist die Wirksamkeit deutlich herabgesetzt. Die Gefahr besteht nun, dass Parasiten überleben und die Bildung von Resistenzen wird so gefördert. Bei den modernen Arzneimitteln wird zudem eine Unterdosierung mit schwerwiegenderen Folgen verbunden als eine Überdosierung.

Geht es auch ohne „Chemie“?

Trotzdem berichten Pferdehalter immer wieder von Unverträglichkeitsreaktionen ihrer Pferde nach der Wurmkurgabe. Symptome sind neben Störungen im Verdauungstrakt wie Kotwasser und Durchfall auch Belastungen des Stoffwechsels. Rein auf „natürliche“ Entwurmung zu setzen, scheint nach Expertenmeinung aber kaum möglich. Die Wirksamkeit pflanzlicher bzw. homöopathischer Mittel zu Entwurmung konnte bisher in keiner wissenschaftlichen Untersuchung nachgewiesen werden. Hier scheint eher die Wirksamkeit in der Vorbeugung zu liegen, in dem mit pflanzlichen und auch homöopathischen Mitteln unter anderem das Immunsystem aktiviert werden kann. Ein derart gestärktes Pferd kann sich leichter gegen äußere Eindringlinge schützen. Bestimmte Bitterkräuter sollen das Darmmilieu zudem dermaßen „wurmunfreundlich“ gestalten, das die Parasiten von alleine ihren Wirt verlassen. Wird dann noch ein entsprechendes Hygienemanagement umgesetzt, kann die Häufigkeit der chemischen Entwurmung reduziert werden. Davon profitieren Stoffwechsel und Verdauung und die Gefahr der Resistenzentwicklung reduziert sich.


Mit Futter vorbeugen

Grundsätzlich sollte gerade bei empfindlichen Pferden besonders auf eine darmfloraschonende und aktivierende Fütterung geachtet werden. Die Gabe von Mash und anderen Futtermitteln mit verdauungs- und stoffwechselaktivierenden Bestandteilen wie Hefen, Heilerden und Kräutern ist letztlich nicht nur zur besseren Verträglichkeit der Wurmkur zu empfehlen.

Wir empfehlen für Aufbau und Stabilisierung einer gesunden Darmflora
(je 100 kg Körpergewicht):

1
Struktur Energetikum
2
Irish Mash
3
LinuStar
4
EquiMall
5
MicroVital
  • 150 bis 200 g Struktur Energetikum
  • 100 bis 200 g Mash, 2 bis 3 Mal pro Woche
  • 10 bis 20 g Linustar und/oder
  • 20 bis 50 ml Equimall

Zur Unterstützung eines intakten Immunsystems empfehlen wir:

  • 10 bis 15 g Microvital (mind. 2 pro Jahr während des Fellwechsels)

Text: Sarai Fauerbach (www.st-hippolyt.de)