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Stall- und Weidehygiene contra Parasiten-Paradies

Die Ahnen unserer Hauspferde mussten sich um Geilstellen und Parasiten aufgrund eines größeren Platzangebotes nicht kümmern und konnten abgegraste und verunreinigte Weidegründe einfach hinter sich lassen. Heute müssen sich meist zu viele Pferde zu kleine Weiden teilen, was neben einer nicht ausreichenden oder minderwertigen Futtergrundlage einen enormen Parasitendruck mit sich bringt. Um das lästige und vor allem regelmäßige Absammeln der Pferdeäppel kommt man deshalb nicht herum, will man nicht ein Parasiten-Paradies schaffen. Gerade nach dem Entwurmen, was immer gleichzeitig beim gesamten Bestand vorgenommen werden sollte, ist zwei bis fünf Tage danach mit einer vermehrten Parasitenausscheidung zu rechnen. Ein gründliches und vor allem vollständiges Absammeln bzw. Entmisten ist dann besonders wichtig. Die „Nachmahd“ einer von Pferden abgefressenen Weide durch Rinder kann den Infektionsdruck zusätzlich senken, da die Wiederkäuer eine Vielzahl dieser Wurmeier aufnehmen, ohne dass es für sie selber zum Nachteil ist.

Hygiene hat Priorität

Doch wie oft rückt man jetzt den Parasiten zu Leibe? Jeder Bestand braucht ein an die Gegebenheiten angepasstes Management. An ein paar Grundregeln sollte man sich jedoch halten. Je mehr Weidegang die Pferde haben und je größer die Fluktuation im Bestand ist, desto öfter muss entwurmt werden. Werden die Flächen nicht gewechselt und gibt es ein häufiges Kommen und Gehen von Pferden, kann eine viermalige Entwurmung pro Jahr notwendig werden. Wird jedoch penibel auf Stall- und Weidehygiene geachtet bei kleinen, nicht wechselnden Pferdegruppen, kann in der Regel die Häufigkeit reduziert werden.

Muss an mögliche Resistenzen gedacht werden?

Einige Experten raten, um die Bildung von Resistenzen zu vermeiden bzw. hinauszuzögern, regelmäßig die Wirkstoffe zu wechseln. Andere argumentieren, dass gerade bei den Mitteln gegen die Rundwürmer mittlerweile nur noch wenige Mittel zuverlässig wirken, so dass ein häufiges Wechseln kaum möglich ist. Fakt ist, dass es derzeit nur vier Wirkstoffgruppen für Pferde auf dem Markt gibt, mit wenig Aussicht auf Neuentwicklungen. Es bleibt die Vorgehensweise nach dem Rotationsprinzip, in dem die noch verbliebenen, wirksamen Wirkstoffgruppen jährlich gewechselt werden. Doch es häufen sich Berichte aus der Praxis, wo Pferde, trotz regelmäßiger Entwurmung, an mitunter hochgradigen Verwurmungen litten. Die Möglichkeit der Resistenzbildung sollte als große Unbekannte also nicht außer Acht gelassen werden.

Pferde sind oft schwerer als man denkt

Damit die ausgewählte Wurmkur ihre Wirksamkeit voll entfalten kann, sollte das Pferdegewicht unbedingt realistisch eingeschätzt bzw. gewogen werden. Denn wird die Wurmkur zu knapp bemessen oder die Hälfte des Tubeninhaltes landet auf dem Jackenärmel oder Boden, ist die Wirksamkeit deutlich herabgesetzt. Die Gefahr besteht nun, dass Parasiten überleben und die Bildung von Resistenzen wird so gefördert. Bei den modernen Arzneimitteln wird zudem eine Unterdosierung mit schwerwiegenderen Folgen verbunden als eine Überdosierung.

Geht es auch ohne „Chemie“?

Trotzdem berichten Pferdehalter immer wieder von Unverträglichkeitsreaktionen ihrer Pferde nach der Wurmkurgabe. Symptome sind neben Störungen im Verdauungstrakt wie Kotwasser und Durchfall auch Belastungen des Stoffwechsels. Rein auf „natürliche“ Entwurmung zu setzen, scheint nach Expertenmeinung aber kaum möglich. Die Wirksamkeit pflanzlicher bzw. homöopathischer Mittel zu Entwurmung konnte bisher in keiner wissenschaftlichen Untersuchung nachgewiesen werden. Hier scheint eher die Wirksamkeit in der Vorbeugung zu liegen, in dem mit pflanzlichen und auch homöopathischen Mitteln unter anderem das Immunsystem aktiviert werden kann. Ein derart gestärktes Pferd kann sich leichter gegen äußere Eindringlinge schützen. Bestimmte Bitterkräuter sollen das Darmmilieu zudem dermaßen „wurmunfreundlich“ gestalten, das die Parasiten von alleine ihren Wirt verlassen. Wird dann noch ein entsprechendes Hygienemanagement umgesetzt, kann die Häufigkeit der chemischen Entwurmung reduziert werden. Davon profitieren Stoffwechsel und Verdauung und die Gefahr der Resistenzentwicklung reduziert sich.